{"id":1445,"date":"2014-08-04T04:22:56","date_gmt":"2014-08-04T02:22:56","guid":{"rendered":"\/wp\/?p=1445"},"modified":"2018-02-21T17:27:40","modified_gmt":"2018-02-21T16:27:40","slug":"rohstoffe-fuer-handys","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.prokongoyalobi.de\/wp\/de\/2014\/08\/04\/rohstoffe-fuer-handys\/","title":{"rendered":"Rohstoffe f\u00fcr Handys"},"content":{"rendered":"<div class=\"dotcadre\">Die Dem.Rep Kongo ist eigentlich ein sehr reiches Land. Besonders der Osten ist sehr reich an Bodensch\u00e4tzen und (nicht zuf\u00e4llig) an Konflikten. Auch in den USA, die pro Kopf der Bev\u00f6lkerung am st\u00e4rksten an der Auspl\u00fcnderung unseres Planeten und seiner Bewohner beteiligt sind, machen Menschen sich dar\u00fcber Gedanken, wie der unten stehende Artikel zeigt.<\/div>\n<p>K\u00f6nnen wir denn selbst etwas tun? Sind Handys wie das Fairphone eine L\u00f6sung?<!--more--><\/p>\n<div style=\"float:right;margin-left:10px\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fairphone_2\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" title=\"\"\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/5\/59\/Fairphone_2_%2825250139694%29_%28cropped%29.jpg\/120px-Fairphone_2_%2825250139694%29_%28cropped%29.jpg?20160526114428\" alt=\"\"><br \/>Wikipedia:<br \/>Fairphone<\/a><\/div>\n<p>Uns erreichte eine Mail, in der es u.A. hei\u00dft: <i>Ich warte ja zur Zeit sehns\u00fcchtig auf mein <b>FairPhone<\/b>, es soll bis Ende August kommen. Diese holl\u00e4ndische Firma kauft nicht nur \u201ekonfliktfrei\u201c ein, sondern hat im Kongo konkret mit einigen Minen Vertr\u00e4ge mit \u201efairen\u201c Bedingungen f\u00fcr Minenarbeitern abgeschlossen. <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/shop.fairphone.com\/fairphone\/fairphone.html\">Auf deren Website<\/a> gibt es auch eine dicke Fotostrecke zu den Minen und Verhandlungen im Kongo.<\/i><\/p>\n<p>Der <b>taz<\/b>-Autor Dominic Johnson, Ressortleiter Ausland und seit 1990 Afrikaredakteur, publiziert regelm\u00e4\u00dfig zur Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und der Region der Gro\u00dfen Seen Afrikas. <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.taz.de\/!a4\/\">Seine <b>taz<\/b> Artikel<\/a> geben einen sehr guten Einblick in die dortige Situation. <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.taz.de\/Kommentar-blutiges-Fairphone\/!143000\/\">Zum Thema Fairphone<\/a> schreibt er u.A.:<br \/><i>Das Konfliktfrei-Zertifikat \u00e4ndert von allein nichts an schlechten Lebensbedingungen, an staatlicher Willk\u00fcr und an der Notwendigkeit f\u00fcr die Menschen, sich selbst gegen \u00dcbergriffe zur Wehr zu setzen. Diese Faktoren, und nicht der Mineralienhandel, liegen an der Wurzel von Kongos Kriegen und sind auch der Grund daf\u00fcr, dass es im Ostkongo so viele Milizen gibt.<br \/>Sollte Rubaya <\/i>(Stadt Kongo, die zu den Lieferstellen der Fairphone-Rohstoffe geh\u00f6rt)<i> jetzt seinen \u201ekonfliktfreien\u201c Status verlieren und vom Weltmarkt ausgeschlossen werden? Das w\u00e4re katastrophal. Eine Stadt mit 80.000 Einwohnern w\u00fcrde schlagartig ihre Existenzgrundlage verlieren. Die Menschen m\u00fcssten sich ihr Geld wieder mit der Waffe verdienen statt mit der Spitzhacke. Frieden beruht auf Beteiligung der Menschen am Wohlstand, nicht auf ihrem Ausschluss.<\/i><\/p>\n<p>Und nun zum <b>taz<\/b> Artikel vom 31. 05. 2014. Wir geben ihn hier in voller L\u00e4nge wieder, denn er ist sehr informativ und differenziert und zeugt von gesunder Skepsis. <\/p>\n<hr>\n<h3>Der Kongo steckt im Detail<\/h3>\n<p>Ab sofort m\u00fcssen Unternehmen in den USA nachweisen, dass sie mit ihren Rohstoffen keine Konflikte im Kongo f\u00f6rdern. Ein Vorbild, aber ein gewagtes.<\/p>\n<p>Der 31. Mai 2014 ist der Stichtag. Ab diesem Tag m\u00fcssen Unternehmen, die in den USA b\u00f6rsennotiert sind und gewisse Rohstoffe aus der Demokratischen Republik Kongo verarbeiten, die \u201ekonfliktfreie\u201c oder eben auch \u201enichtkonfliktfreie\u201c Herkunft ihrer Rohstoffe deklarieren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.taz.de\/uploads\/images\/624\/14053005_kongo_img.jpg\" alt=\"\" border=0 width=624 height=312><br \/><i>Im rohstoffreichen Kongo werden Erze f\u00fcr die Elektroindustrie gef\u00f6rdert.<br \/>Bild: imago\/Siering<\/i><\/p>\n<p>Es geht vor allem um drei in der Elektronikindustrie wichtige Erze, die in Ostkongos Konfliktgebieten verbreitet sind: Tantalerz \u2013 im Kongo als \u201eColtan\u201c bekannt \u2013, Zinnerz (Kassiterit) sowie Wolfram in Form von Wolframit. Auch Gold ist betroffen.<\/p>\n<p>Das ist der endg\u00fcltige Durchbruch f\u00fcr die US-Gesetzgebung \u00fcber \u201eKonfliktmineralien\u201c aus dem Kongo, die nach jahrelanger Lobbyarbeit durch Menschenrechtsorganisationen 2010 in Barack Obamas B\u00f6rsenreformgesetz \u201eDodd-Frank Act\u201c hineingeschmuggelt wurde. Artikel 1502 dieses Gesetzes verpflichtet Unternehmen, der US-B\u00f6rsenaufsicht mitzuteilen, ob sie Coltan, Kassiterit, Wolframit oder Gold aus dem Kongo oder seinen Nachbarl\u00e4ndern verwenden.<\/p>\n<div style=\"border:1px solid;float:right;width:200;margin-left:10px;margin-top:10px;background-color:#ffffff;padding:5px\">\n<h3>Bergbau im Kongo<\/h3>\n<p><b>\u201eGeologischer Skandal\u201c<\/b>: Aufgrund ihrer einmalig konzentrierten Mineralienreserven galt die heutige Demokratische Republik Kongo zu Kolonialzeiten als \u201egeologischer Skandal\u201c. Staatsfirmen gab es einst f\u00fcr Kupfer und Kobalt (Katanga), Diamanten (Kasai), Gold (Ituri) und Zinn (Kivu).<\/p>\n<p><b>Die gr\u00f6\u00dften Tantalreserven<\/b> der Welt liegen aber nicht im Kongo, sondern in Brasilien und Australien. Als der Staat Kongo in den 90er Jahren zusammenbrach, endete die gesamte industrielle F\u00f6rderung. Millionen Sch\u00fcrfer arbeiteten irgendwie weiter. Davon profitierten im Ostkongo auch B\u00fcrgerkriegsarmeen.<\/p>\n<p><b>Exporte von Coltan<\/b> (Tantalerz) aus der Kriegsprovinz Nord-Kivu: 2009 (Rekord): 281 Tonnen; 2013: 196 Tonnen. Hauptk\u00e4ufer 2013: Kingwood Villas, Hongkong; Sino Investment, China. Weiterer Abnehmer: Traveling Esceno-Crafia, Spanien<\/p>\n<p><b>Exporte von Kassiterit<\/b> (Zinnerz) aus Nord-Kivu: 2008 (Rekord): 13.311 Tonnen; 2013: 900 Tonnen. Hauptk\u00e4ufer 2013: China National Non-Ferrous Metals und Guilin Jinli New Chemical Materials. Weitere Abnehmer: Hongkong, Panama<\/div>\n<\/p>\n<h3>Unermessliches Leid<\/h3>\n<p>Die Analyse dahinter geht so: Die Dauerkriege im Osten des Kongo w\u00fcrden dadurch am Leben gehalten, dass Warlords sich durch Mineralienexport finanzieren; wenn man diese Verbindung br\u00e4che, w\u00fcrden die Konflikte und damit auch das unermessliche Leid der Bev\u00f6lkerung enden. Plakativ f\u00fchrt diese Analyse zu der \u00dcberzeugung, die Herstellung von Handys f\u00f6rdere sexuelle Gewalt im Kongo.<\/p>\n<p>Oberfl\u00e4chlich ist diese Analyse deshalb, weil sie komplexe Konfliktursachen und -muster unzul\u00e4ssig reduziert. Kongos Warlords sind nicht von Rohstoffeinnahmen abh\u00e4ngig, sondern vor allem von politischen Connections und vom Auspl\u00fcndern der Bev\u00f6lkerung. Mindestens genauso aktiv im Schmuggel sind Milit\u00e4rs und korrupte Politiker. Die letzte gro\u00dfe Rebellenbewegung im Ostkongo, die \u201eBewegung des 23. M\u00e4rz\u201c (M23), interessierte sich f\u00fcr Mineralien \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p>Andererseits h\u00e4lt Ostkongos Bergbau Millionen Menschen am Leben und ist die einzige Devisenquelle jenseits von ausl\u00e4ndischer Hilfe. Als in Reaktion auf das Dodd-Frank-Gesetz Kongos Regierung 2010 kurzerhand den Bergbau im Ostkongo komplett verbot, waren die Folgen verheerend: Die lokale Wirtschaft brach zusammen, bestehende Ma\u00dfnahmen zum Kampf gegen Schmuggel wurden abgebrochen und es schlossen sich so viele junge M\u00e4nner bewaffneten Gruppen an wie nie zuvor.<\/p>\n<h3>Ein reines Werturteil<\/h3>\n<p>Keine Elektronikfirma der Welt kauft direkt im Kongo ein. Die Berichterstattungspflicht hei\u00dft in der Praxis also blo\u00df, die Angaben der Zulieferer zu bewerten. Unternehmen m\u00fcssen auch nicht sagen, welche Produkte \u201ekonfliktfrei\u201c sind, was die f\u00fcr Verbraucher relevanteste Information w\u00e4re. Sie m\u00fcssen nur \u201enichtkonfliktfreie\u201c Produkte identifizieren. Aber das muss nicht von unabh\u00e4ngiger Seite gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Ein Washingtoner Gericht urteilte im April gar, es sei verfassungswidrig, Unternehmen dazu zu zwingen, Produkte als \u201enichtkonfliktfrei\u201c zu bezeichnen: Es handele sich um ein reines Werturteil. Firmen m\u00fcssten ja auch nicht die politischen \u00dcberzeugungen ihrer Vorstandsmitglieder offenlegen. \u201eDie Bezeichnung \u2019konfliktfrei\u2018 ist eine Metapher, die moralische Verantwortung f\u00fcr den Kongokrieg zuschreibt. Sie verpflichtet Unternehmen, den Verbrauchern mitzuteilen, dass ihre Produkte ethisch zweifelhaft sind.\u201c Das widerspreche dem Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung.<\/p>\n<p>Also m\u00fcssen Unternehmen jetzt lediglich sagen, dass sie die Herkunft ihrer Rohstoffe \u00fcberpr\u00fcft haben. Das Ergebnis dieser Pr\u00fcfung m\u00fcssen sie aber nicht mitteilen. Einzelne Unternehmen machen das trotzdem, aus PR-Gr\u00fcnden \u2013 zum Beispiel Intel, das sich r\u00fchmt, an vorderster Front bei der Herstellung \u201efairer\u201c Elektronikger\u00e4te mitzuwirken.<\/p>\n<p>Drei Jahre lang haben Intel-Teams Schmelzh\u00fctten besucht, von China bis Bolivien, und gefragt, woher die Erze kommen. Intels Konfliktmineralienbericht ging am 22. Mai an die US-B\u00f6rsenaufsicht, listet 21 Tantallieferanten auf, alle \u201ekonfliktfrei\u201c, darunter H.C. Starck aus Deutschland. Und 44 Zinnlieferanten, davon nur 12 mit dem begehrten Sternchen \u201ekonfliktfrei\u201c.<br \/>Menschenrechtler arbeiten an eigenen Checklisten<\/p>\n<p>Andere Unternehmen sind weniger transparent. Siliconware Precision Industries aus Taiwan, das am 24. April als erstes Unternehmen Bericht erstattete, f\u00fcgte keine Liste seiner Zulieferer bei und schrieb nur ohne weitere Pr\u00e4zisierung, ein Teil seiner Rohstoffe sei \u201ekonfliktunklar\u201c, der Rest \u201ekonfliktfrei\u201c.<\/p>\n<p>Bis 28. Mai hatten erst 39 von bis zu 6.000 betroffenen Unternehmen Berichte an die US-B\u00f6rsenaufsicht abgeliefert, so die Kampagnengruppe Global Witness. \u201eDie meisten beinhalten zu wenig Informationen, um zu zeigen, dass Unternehmen ihre Zuliefererketten glaubw\u00fcrdig \u00fcberpr\u00fcfen\u201c, so die Organisation. Menschenrechtsgruppen arbeiten l\u00e4ngst an eigenen Checklisten. Es gibt auch schon Listen \u201ekonfliktfreier\u201c Schmelzh\u00fctten.<\/p>\n<p>Aber was hei\u00dft \u201ekonfliktfrei\u201c? Alles h\u00e4ngt daran, ob die zust\u00e4ndige zwischenstaatliche Organisation \u201eInternationale Konferenz der Region der Gro\u00dfen Seen\u201c (ICGLR), deren Bestimmungen f\u00fcr Rohstoffe im Einklang mit den international ma\u00dfgeblichen Richtlinien der OECD stehen, einzelne kongolesische Minen als \u201egr\u00fcn\u201c, also als konfliktfrei, zertifiziert.<\/p>\n<p>Das wiederum h\u00e4ngt an der Einsch\u00e4tzung der kongolesischen Regierung. Es verwundert da wenig, dass die ersten kongolesischen Coltanminen mit dem Status \u201ekonfliktfei\u201c im Heimatgebiet der Familie von Pr\u00e4sident Joseph Kabila im Norden der Provinz Katanga lagen.<\/p>\n<p>\u201eKonfliktfreier\u201c Bergbau im Kongo geht so: Die Sch\u00fcrfer m\u00fcssen einer von politisch genehmen Figuren geleiteten Kooperative beitreten. Die nimmt den Bergleuten die Erze ab und verkauft sie an kongolesische Exportfirmen in den St\u00e4dten. Die verkaufen das Produkt, versiegelt und zertifiziert, an Schmelzh\u00fctten haupts\u00e4chlich in China und Malaysia.<\/p>\n<p>Dieser Mechanismus h\u00e4lt im Prinzip bewaffnete Akteure aus der Handelskette fern. Ob die H\u00e4ndler aber nicht vielleicht selber mit Konfliktparteien unter einer Decke stecken, ihre Partner \u00fcbers Ohr hauen oder auch als schwarze Kasse f\u00fcr korrupte Politiker oder sogar Warlords dienen \u2013 das l\u00e4sst sich auf diese Weise nicht feststellen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Das Original dieses Artikels finden Sie bei der <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.taz.de\/Rohstoffe-fuer-Handys\/!139486\/\"><b>taz<\/b><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Dem.Rep Kongo ist eigentlich ein sehr reiches Land. Besonders der Osten ist sehr reich an Bodensch\u00e4tzen und (nicht zuf\u00e4llig) an Konflikten. 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